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Rundgang Gartenstadt Bad Dürrenberg

Rundgang Gartenstadt Bad Dürrenberg


Die Erweiterung der Leuna-Werke in den 20er Jahren erforderte ein ganz besonderes Projekt – die Gartenstadt Bad Dürrenberg. Zur ihrer Errichtung wurden einige der besten Architekten und Planer der 20er Jahre engagiert: der Berliner Architekt Werner von Walthausen, der Gartenarchitekt Harry Masz, der Bauunternehmer Adolf Sommerfeld aus dem Umfeld des Bauhauses, der Bauhausdirektor Walter Gropius und Alexander Klein. Entstanden ist eine der wichtigsten Siedlungen dieser Zeit – auf der Schwelle zwischen Tradition und Moderne.

Die LEUWO lädt Sie ein, sich auf einen rund 40minütigen Rundgang durch die Gartenstadt Bad Dürrenbergs und das Leben Alexander Kleins zu begeben.

 Übersicht Gartenstadt

 

Station 1 Haus für betreutes Wohnen

Auch wenn die 1927 – 1931 entstandene Siedlung auf den ersten Blick wenig imposant erscheinen mag, ist Sie dennoch ein wichtiges Zeugnis der baugeschichtlichen Entwicklung. Sie ist gleichermaßen ein frühes und besonderes Beispiel industrialisierten Bauens, ein Zeugnis der Architektur der 20er Jahre und in Bezug auf ästhetische, soziale und technische Aspekte ein bis heute fortschrittlicher Gebäudekomplex. Der Erbauer des größten Teils der Siedlung ist der Architekt Alexander Klein (1879 – 1961), der zu den wichtigsten Vordenkern des Neuen Bauens gehört, aber heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Als russisch-jüdischer Einwanderer kam er 1920 nach Deutschland und emigrierte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. In Haifa, im damaligen Palästina, fand er eine neue Heimat und wurde dort zu einem der wichtigsten Baumeister des neu gegründeten Israels. 1954 zog er zu seinem Sohn nach New York, wo er 1961 im Alter von 82 Jahren starb. Neben zahlreichen und wegweisenden Studien zur Grundrissgestaltung ist die Siedlung in Bad Dürrenberg sein wichtigstes Werk in Deutschland.
Der Anfangspunkt unseres Rundganges ist das „Haus für betreutes Wohnen und Hilfe im Alter“, das heute der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens in der Siedlung ist. Es dient den Bewohnern der Siedlung als Treffpunkt. Es ist nicht nur Anlaufstelle und Kommunikationszentrum für die Mitbewohner, die mit der Siedlung alt geworden sind. Der LEUWO Nachbarschaftshilfe e.V. betreibt dieses Haus in Kooperation mit der LEUWO. (Öffnungszeiten: Mo. – Do. 8 – 17 Uhr, Fr. 8 – 12 Uhr) Hier erhalten Sie auch Informationen zur Siedlung und über die Museumswohnung in der Thomas-Müntzer-Straße 6h (Besichtigung nach Vereinbarung)

 

Historische Fliegeraufnahme        Sicht vom Wasserturm

Historische Fliegeraufnahme                                               Sicht vom Wasserturm


 
Station 2 Bahnhof/Heizwerk

Gegründet wurde die Gartenstadt Bad Dürrenberg am Bahnhof, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch weit entfernt von der Stadt lag. Die Bahnverbindung nach Leipzig und Großkorbetha war für die Gründung der Gartenstadt ebenso wichtig wie die Verbindung mit der Straßenbahn nach Halle über Leuna und Merseburg. Die Erweiterung der Leuna-Werke machte die Errichtung der Siedlung erst notwendig. Der bedeutende Ort des Bahnhofsvorplatzes wurde von Alexander Klein als städtischer Platz vorgesehen. Die Gebäude, die diesen Platz fassen sollten, wurden jedoch nie errichtet.
Die Siedlung war bereits zu ihrer Entstehungszeit mit einer Fernwärmeheizung und einer zentralen Warmwasserversorgung ausgestattet. Das bedeutete im Vergleich zu den vorhandenen Wohnbedingungen in den 20er und 30er Jahren einen enormen Fortschritt, da der Aufwand für Transport von Brennmaterial, Beheizung und Reinigung der Öfen entfiel. Das Heizwerk war also vor allem sozial ein großer Fortschritt, da es den Wohnalltag der Bewohner erleichterte. Heute kommt dem mittlerweile gasbetriebenen Heizwerk zusätzlich eine ökologische Funktion zu, da es durch die Kopplung von Strom- und Wärmeerzeugung äußerst effizient und sauber arbeitet.
Das von Klein entworfene Heizwerk stand neben dem heute noch betriebenen „Blockheizkraftwerk“ und musste aus statischen Gründen zu Beginn der 90er Jahre abgebrochen werden. Es versorgte zugleich eine ebenfalls zur Wohnsiedlung gehörende Wäscherei. Für einen geringen Aufpreis zu Miete konnten dort die Bewohner der Siedlung bis zum Jahr 1991 regelmäßig ihre große Wäsche waschen. Das Waschhaus wir bekannt als „Treffpunkt“ und hatte eine wichtige Funktion im sozialen Gefüge der Siedlung. Heute steht auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei ein Supermarkt.

 

   


Station 3 Ausrichtung und Bauweise

 

Ausrichtung der Häuser

Ausrichtung der Häuser
Es fällt auf, dass fast alle Hauszeilen in Nord-Süd-Richtung verlaufen, so dass die Wohnungen darin Fenster in Richtung Osten und Westen haben. Alexander Klein beschrieb 1930 die Vorteile dieser Ausrichtung:
„In letzter Zeit hat sich die Zeilenbebauung infolge ihrer besonderen Vorteile immer mehr eingebürgert. Die einheitliche Orientierung der Häuserzeilen ermöglicht eine gleichmäßige Belichtung aller Wohnungen und vereinfacht die Grundrisslösung, indem sie die Verwendung einheitlicher Typen gestattet. Die gleichmäßigen Abstände zwischen den Häuserzeilen ermöglichen eine intensivere Besonnung und die Annehmlichkeit einer größeren Entfernung der Wohnungen von ihrem Gegenüber“ (Alexander Klein).
Im vorderen Teil sind diese Zeilen in Einfamilienhausform errichtet worden, so dass die Bewohner die Qualität eines Hauses mit eigenem Garten haben, wo sie den Sonnenuntergang im Westen genießen können. Heute befindet sich dieser Teil der Siedlung in Privatbesitz der Bewohner.

 

Schüttbetonverfahren
Eine Besonderheit der von Alexander Klein gebauten Siedlung ist die industrialisierte Form des Bauens, das sogenannte „Schüttbetonverfahren“, das es ermöglichte, die komplette Siedlung ab 1930 binnen kürzester Zeit kostengünstig zu errichten. In einem zeitgenössischen Zeitungsbericht werden die Vorteile dieser Bauweise beschrieben: „Ein Gemisch von Kies, Schlacke, Bims und Zement wird in erdfeuchtem Zustande in eine Wandschalung eingebracht. Die beim Serienbau häufige Verwendbarkeit derselben Schalungsformen erspart Schalungskosten. (…) Da die geringe überschüssige Feuchtigkeit von der porösen Wand schnell abgegeben wird, ist der Bau so schnell trocken, dass mit den Putzarbeiten anschließend begonnen werden kann. (…) Der strenge Winter 1928/29 hat ferner gezeigt, dass nur 26 cm starke Schlackenbetonwände in Bezug auf Wärmehaltung mindestens 38 cm starken Ziegelwänden gleichkommen“.
Das Schüttbetonverfahren wurde von dem Merseburger Stadtbaurat Zollinger entwickelt. Diese Bauweise konnte sich allerdings nicht im Wohnungsbau durchsetzen. Bei der Modernisierung 1994 – 1997 musste durch eine aufwendige Betonsanierung diese Bausubstanz stabilisiert werden, um den Erhalt der Siedlung zu sichern.


Station 4 Laubenganghäuser

Eine Ausnahme in der Ausrichtung der Bebauung bilden die sogenannten „Laubenganghäuser“. Sie werden durch den namensgebenden Laubengang von Norden her kostengünstig erschlossen und haben ihre Balkone in Richtung Süden. Der Laubengang war ein im Wohnungsbau der 20er Jahre häufig verwendeter Gebäudetyp.
An dem Projekt der „Gartenstadt Bad Dürrenberg“ war zu Beginn der große Baumeister des Bauhauses, Walter Gropius beteiligt. Seine Zuständigkeit lag in der reinen städtebaulichen Ausrichtung der Hauszeilen, während Klein die architektonische Ausformung der Grundrissgestaltung übernehmen sollte. Gropius ließ sich damit jedoch nicht „abspeisen“. Er wollte seine Vorstellungen der modernen Architektur, deren auffälligste Kennzeichen die schlichte graue Farbgestaltung und das Flachdach sind, durchsetzen, scheiterte aber am Geschmack der beteiligten Behörden. Und so stieg er im Februar 1929 aus dem Projekt aus. Fragmente seiner Alternativplanung für die Laubenganghäuser wurden in jüngster Vergangenheit in den Archiven der LEUWO gefunden.
Dem Laubengang selbst kommt nicht nur eine Erschließungsfunktion zu. Er ist gleichzeitig eine Kommunikations- und Aufenthaltszone. Im Erdgeschoss des Hauses, vor dem Sie stehen, hat die LEUWO zusammen mit den Bewohnern der Siedlung eine kleine Museumswohnung (Thomas-Müntzer-Str. 6h) eingerichtet.

 

 


Museumswohnung
Die 41,72 qm große Museumswohnung ist der kleinste Wohnungstyp innerhalb der Siedlung. Sie wurde meist vom einfachen Industriearbeiter bewohnt. Das Grundrisskonzept war auf den Bedarf der Bewohner abgestimmt. Die Küche wurde quadratisch gestaltet. „Die Küchen sind in allen Wohnungen so angeordnet, dass sie der Hausfrau die Möglichkeit denkbar größter Kraft- und Zeitersparnis und ruhiger Arbeit bei guter Belichtung gewähren“ (Alexander Klein). Diesem Küchentypus gingen umfangreiche Studien der Bewegungsabläufe der Hausfrau voraus. Die Trennung zum Wohnzimmer wurde mittels eines Raumteilers mit Schrankelementen und einer Durchreiche gewährleistet.
Das Wohnzimmer ist wiederum durch eine hölzerne Schiebewand vom Schlafbereich getrennt, so dass der Wohnbereich nach Bedarf flexibel erweitert werden konnte. Vom Schlafzimmer gibt es auch einen zweiten Zugang zum Bad. Zwischen diesen Räumen wurde ein Einbauschrank integriert.
Klein wollte, dass die Menschen, die in die Gartenstadt Bad Dürrenberg eingezogen sind, möglichst wenig eigene Möbel und Gegenstände mitbringen: „Wenn es heute noch Leute gibt, die mit ihren schweren Vorhängen und unzähligen Ziergegenständen unsere heutigen kleinen und hellen Wohnungen mit ihrer bis ins Kleinste auskalkulierten Nutzfläche in ein düsteres Museum verwandeln, dann ist das kein Grund, dass wir aufhören Wohnungen zu bauen, die dem Geiste und den Forderungen unserer Zeit entsprechen“ (Alexander Klein).
Von der Anordnung der Möbel, die zusätzlich zu den Einbauschränken nötig waren, hatte Klein genaue Vorstellungen, wie man seinen Grundrissstudien entnehmen kann. Intensive Studien über die Verschattung durch Möbel waren Ursache für diese Anordnung. Er wusste aber wohl, dass die Bewohner weitaus mehr Möbel mitbrachten, als er es für wünschenswert hielt. Um aber die Funktionalität seiner Grundrisse zu bewahren, richteten Klein und die Siedlungsgesellschaft eine Werkstatt ein, in der die Möbel den Wohnungen angepasst werden konnten.


 Museumswohnung 1  Museumswohnung 2


Station 5 Zentrale Achse

Siedlung, wie sich heute zeigt, ist nur ein Teil des Bebauungskonzepts von Alexander Klein. Die vor Ihnen liegende Grünfläche sollte die zentrale Achse der Siedlung sein und die Reihenhäuser sollten symmetrisch auf der von Ihnen aus rechten Seite fortgeführt werden. Dieser Teil wurde allerdings nie gebaut, so dass der zentralen Achse nie ihre ursprüngliche Bedeutung zukam. „Die als Mittelachse gedachte Grünanlage entspricht dem Geländeprofil, das an dieser Stelle eine muldenartige Vertiefung bildet. Sie erweckt mit ihrem Planschbecken, mit ihrer Promenade nebst Bänken und Baumbepflanzungen den Eindruck einer freundlichen, großzügig angelegten Parkanlage, die durch einen dreigeschossigen Häuserblock mit davor angeordneter Pappelreihe abgeschlossen wird“ (Alexander Klein).
An dieser exponierten Stelle war außerdem ein Planschbecken vorgesehen. Planschbecken waren ein zentraler Bestandteil im Wohnungsbau des Neuen Bauens. Sie galten als Symbol für eine neue Körperkultur im Zeichen der Hygienisierung, waren aber ebenso oft Stein des Anstoßes in konservativen Gesellschaftskreisen und wurden meist während der NS-Zeit geschlossen.


 
Station 6 Versorgungseinrichtungen

Dieser Gebäudezeile kam im Konzept Alexander Kleins durch die exponierte Lage an der zentralen Achse eine besondere Bedeutung zu. Betont wird diese Bedeutung durch die seitlich angeordneten Läden. Die Bewohner der Siedlung hatten in den frühen 30er Jahren in der Mehrzahl noch kein eigenes Auto, so dass die wohnungsnahe Versorgung mit Läden wichtig war. Vor allem die Bewohner, die mit der Siedlung alt geworden sind, wissen den Erhalt dieser Läden heute zu schätzen. Die Siedlung wurde in der von Klein konzipierten Weise nicht zu Ende geführt, da die wirtschaftliche Lage zu Beginn der 30er Jahre (politische Instabilität, Weltwirtschaftskrise, Inflation) keinen Wohnungsbau mehr ermöglichte. 1940 bis 1942 wurde die Siedlung ein letztes Mal in größerem Umfang erweitert. Diese Erweiterung, die erst in den Nachkriegsjahren fertiggestellt werden konnte, lehnte sich städtebaulich an das Konzept Kleins an, obwohl Klein als Jude russischer Herkunft bei den Nazis verpönt war. Die Architektur aus der NS-Zeit ist durch die teilweise etwas wuchtig wirkenden Eingangsbereiche zwar repräsentativer, sie kann die Gebrauchsqualitäten von Klein aber nicht halten. So fehlen dort die Fernwärmeversorgung und die Balkone, deren Nichtvorhandensein bis heute auffällt. In diesem Kontrast wird die Fortschrittlichkeit und die Gebrauchsqualität der von Klein geplanten Wohnungen besonders deutlich.


 
Station 7 Aussichtspunkt und Museum Wasserturm

Der Wasserturm wurde in den Jahren 1942 bis 1944 errichtet, um in der neu entstandenen Siedlung einen gleichmäßig hohen Wasserdruck auch in den oberen Geschossen zu gewährleisten.
Mit seinen knapp 39 Metern Höhe ist er das höchste Gebäude in diesem Teil Bad Dürrenbergs und ist bis heute ein wichtiger Orientierungspunkt. Durch die Neustrukturierung der Trinkwasserversorgung wurde das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Bauwerk nicht mehr benötigt. Der Wasserturm wurde 1999 zum Verwaltungsgebäude für die Geschäftsstelle des Zweckverbandes für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Bad Dürrenberg umgebaut. Darüber hinaus befindet sich hier ein Museum der Geschichte der Abwasserver- und –entsorgung seit Beginn der Industrialisierung im Aufbau.
Von der Aussichtsplattform bietet der Wasserturm den besten Überblick über die Gartenstadt sowie über ganz Bad Dürrenberg und Umgebung.
Öffnungszeiten: montags, mittwochs, donnerstags 8-16 Uhr
    dienstags 8-18 Uhr    freitags 8-13 Uhr

 

 

Station 8 Gärten der Siedlung

Die Gärten der Siedlung sind nicht, wie man es von gartenstädtischen Siedlungen kennt, Privatgärten sondern vielmehr großzügige Parkbereiche. Der Gestalter dieser Gärten ist der bekannte Gartenarchitekt Harry Masz. Die Beauftragung von Masz durch die „Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft des Kreises Merseburg“, die auch den Bau der Siedlung initiierte, verdeutlicht die Relevanz der Gartengestaltung nachdrücklich: „Den Siedlungsunternehmungen aber liegt es ob, für die Zukunft auch den gärtnerischen Fachmann zu Worte kommen zu lassen, damit er sich mit der gleichen Hingebung des Gartens annimmt wie der Baumeister des Hauses. Nur auf diesem Wege werden wir jene Mängel beseitigen, die wir bis heute noch in fast jeder Siedlung beklagen: Zerrissenheit, Unordnung und Zusammenhanglosigkeit, die sich nicht nur in der sichtbaren Ausdrucksform erkennbar machen, sondern auch das Gefühlsleben derer, die da hausen, in bedenklicher Weise beeinträchtigten“ (Harry Masz).
Und so ist es bis heute das fein abgestimmte System aus säulenartigen Pappeln, großkronigen Kastanien und einer Vielzahl kleinerer Baumarten, die den Charakter der Gärten ausmacht und die bis heute an ihrem sinnfälligen Platz stehen.
Die Gartenstadt Bad Dürrenberg ist also weniger von Privatgärten geprägt, auch wenn der nicht mehr ausgeführte Teil der Klein´schen Planung fast ausschließlich Wohnungen mit zugeordneten Privatgärten vorsah. Die Gartenstadt ist vielmehr in einen öffentlichen Park eingebettet, der den Bewohnern als gemeinschaftliche Fläche zur Verfügung steht.

 

Gärten der Siedlung


Station 9 Die Blöcke an der Rudolf-Breitscheid-Straße


Hier finden sie sich im älteren Teil der Siedlung, der ab 1927 nach Plänen des Berliner Architekten Werner von Walthausen errichtet wurde. Von Walthausen hat das usprüngliche Bebauungskonzept für die ganze Siedlung entworfen. Er sah ursprünglich eine Blockrandbebauung vor, die aber dann durch die Zeilenstruktur von Klein und Gropius nicht übernommen wurde. Der Bereich Markt, Rudolf-Breitscheid-Straße und Lützener Straße ist der einzige Bereich, der nach von Walthausens Entwürfen gebaut wurde. Diese „Reformierte Blockrandbebauung“, die auch im Block Licht, Luft und Sonne zuläßt, ist kennzeichnend für die 20er Jahre.
Auch die Bauweise ist hier noch traditionell. Die Häuser wurden im Gegensatz zur Schüttbetonbauweise noch Ziegel auf Ziegel gemauert, was das Bauen wesentlich teurer und ineffizienter machte.
 
Station 10 Marktplatz


Der Marktplatz wurde in den Jahren 1927-1929 als zentrale Versorgungseinrichtung vom Architekten Werner von Walthausen ausgeführt. Die Straßenbahn von Halle hätte über diesen Platz in Richtung Lützen weitergeführt werden sollen. Lassen wir aber, am Ende unseres Rundweges, noch einmal den Architekten dieses schönen Platzes selbst sprechen:
„Bei der Bebauung des Marktplatzes in Bad Dürrenberg war eine besonders schwierige Aufgabe gestellt: hier war der Mittelpunkt für eine Siedlung zu schaffen, um den eine neue Kleinstadt entstehen sollte. (…) Es galt den Knotenpunkt dreier Verkehrsstraßen zu einer Platzanlage zu gestalten. (…) Durch die unterschiedliche Behandlung der Platzecken sind nicht nur rein praktische Forderungen – wie Ausnutzung der im Sommer erträglichen Vormittagssonne für die Läden und der stärkeren Nachmittagssonne für die Durchlichtung und Durchsonnung der Wohnungen – erfüllt, sondern auch abwechslungsreiche Bilder geschaffen, die aber doch durch die Heraushebung der Torbauten zu einer straffen Einheit zusammengefasst werden. Die Höhe der Platzbebauung ist begründet durch die Bedeutung des Gemeinschaftsplatzes, dessen Silhouette auch aus der Ferne die gesamte Siedlung beherrschen sollte“ (Werner von Walthausen).

Laubenganghäuser