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Rolf Walker - Ein Nachruf für Christa-Maria Ziese

Ein Nachruf für Christa-Maria  Ziese

von Rolf Walker 

 

Vor einigen Jahren habe ich etwas über berühmte Bad Dürrenberger geschrieben. Dazu zählte ich eine bekannte Opernsängerin aus Leipzig, die hier in Bad Dürrenberg gewohnt hatte. Nun erfuhr ich, daß diese Christa Maria im 88. Jahr ihres Lebens vor kurzem in Meiningen verstorben ist. Sie wird im März in Leipzig auf dem Südfriedhof ihre letzte Ruhe finden.

 

Die Musik gehörte für Christa-Maria Ziese von Kindheit an zum Lebenselement. Was hätte für die in Aschersleben geborene Tochter einer Pianistin und eines Kaufmanns näher gelegen, als der Mutter nachzueifern. In Bad Dürrenberg gehörte es ganz einfach zum guten Ton, zum Klavierunterricht zu Frau Ziese, Hindenburgring 12 (heute Markt) zu gehen.

 

 

So schien das Studium im Hauptfach Klavier, das sie 1942 an der Leipziger Hochschule für Musik aufnahm. Durch ihre musikalische Tätigkeit in Bad Dürrenberg und Umgebung wurde Christa-Maria Ziese auch für den Gesang entdeckt. In öffentlichen Veranstaltungen trat sie schon solistisch auf und in Merseburg leitete sie den Chor des Domgymnasiums. Einer der kleinen Jungen dieses Chores himmelte sie schon damals an. Es war Kurt Biedenkopf!

 

Da Christa-Maria Ziese auch Lieder nazistischen Inhaltes gesungen hatte, mußte sie 1945 auch entnazifiziert werden. Sie durfte zur Bewährung in einem Arbeiterchor in der ersten Reihe singen. Bereits nach zwei Jahren Gesangsunterricht an der Hochschule bot die Leipziger Oper Christa-Maria Ziese 1947 einen Vertrag als Altistin an.

 

Wie sie in diesen ersten Jahren ihres Engagements die zahlreichen kleineren Altpartien erfaßte und gestaltete, zeigte ihre Fähigkeiten und versprach viel. Bald lenkte sie durch ihre Erfolge beim Carl-Maria-von-Weber-Wettbewerb in Dresden und vor allem beim Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig die Aufmerksamkeit auf sich. 1954 errang sie den ersten Preis beim Prager Frühling. Inzwischen war die Künstlerin 1951 für drei Jahre Mitglied des Deutschen Nationaltheaters Weimar geworden - nunmehr als Sopranistin. In Weimar hatte sie Gelegenheit, in die großen Partien des jugendlich-dramatischen Soprans hineinzuwachsen, mit denen sie dann, zurückgekehrt an ihre alte Wirkungsstätte in Leipzig, weithin beachtliche Erfolge erringen sollte. Ihre auch nach dem Übergang ins Sopranfach noch immer kräftige und volltönende tiefe Lage ermöglichte es ihr, auch Partien wie Carmen oder des Octavian im „Rosenkavalier“ mühelos zu bewältigen.

 

Mit einem großartigen Erfolg konnte sich Christa-Maria Ziese 1954 wieder in Leipzig einführen: mit ihrer Elisabeth im „Tannhäuser“. Schon von der schlanken Erscheinung her fesselte sie in dieser Partie. Der Elisabeth folgte  1956 (gleichfalls in der Dreilinden-Oper) die Senta, die sie ebenfalls in Berlin an der Komischen Oper sang. In der Eröffnungsvorstellung der Leipziger Oper sang sie die Eva in den „Meistersingern“. In vielen weiteren Auftritten konnten wir die „Ziese“ erleben. Aber auch an anderen führenden Bühnen Deutschlands wurde „unsere Bad Dürrenberger C.M. Ziese“ gefeiert, so in Dresden, Düsseldorf, Hamburg und in anderen Städten des In- und Auslandes.

 

Christa-Maria Ziese sang im Rosenkavalier, Salome, Fidelio, Freischütz, Aida, Turandot, Tosca, Butterfly, Boris Godunow, Pique Dame, Fürst Igor, Jenufa, aber auch in vielen zeitgenössischen Opern.

 

In einem Gespräch hatte sie mir gegenüber erklärt, daß es von ihr keine Schallplattenaufnahmen gäbe. Nur Westsängern wurde das in der DDR gestattet. Sie war dann überrascht als ich ihr die Schallplatte „ETERNA 8 20 737“ präsentierte. Es war die Musik von L. van Beethoven zu Goethes Trauerspiel „Egmont“.  Die Lieder des Clärchens präsentierte hier Christa Maria Ziese. Das hatte sie selbst nicht mehr gewußt!

 

Nach ihren erfolgreichen Künstlerdasein lebte die Kammersängerin später mit dem Leipziger Kammersänger Rainer Lüdecke im Odenwald. Im Alter wohnte sie bei ihren Kindern in Karlsruhe und zuletzt in Meinigen. Dort starb sie jetzt in einer betreuten Wohnung.

 

Sie erinnerte sich später noch gern an Bad Dürrenberg und die gemeinsamen Auftritte mit dem Städtischen Volkschor Bad Dürrenberg. Gern wäre sie 1997 zum 50jährigen Stadtjubiläum nach Bad Dürrenberg gekommen. Aber die damals schon klamme Stadtkasse verhinderte eine Einladung zur Feier.

 

Am 6.1.1947 hatten die Stadtverordneten in feierlicher Form im „Haus zum Gradierwerk“ getagt. In Anwesenheit des damaligen Bezirkspräsidenten Otto Gotsche, der Landräte, der Bürgermeister benachbarter Städte und von Vertretern der Presse wurde die Urkunde über die Erteilung des Stadtrechtes unterzeichnet.

 

 Wenige Tage später erwartete dann das „Gradierwerk“ seine Gäste zur großen Festveranstaltung.

Von dieser Festveranstaltung gibt es sogar noch das Programm. Nach dem „Prolog“ des unvergessenen Karel Zimmermann, der Rede des Bürgermeisters Paul Drese, erlebte Bad Dürrenberg den Gesang des Kindes ihrer Stadt. Es sang Frl. Ziese, die später vielumjubelte Kammersängerin Christa-Maria Ziese. Sie sang die „Widmung“ (Schumann) und die „Liebesbotschaft“ von Franz Schubert. Auch später war sie noch oft Gast in Bad Dürrenberg.

Christa-Maria Ziese